Freitag, 12. Dezember 2008

Tori Amos, Litte Earthquakes

Auf meiner beständigen Suche nach etwas Hörbarem, bin ich letztens in meinem Musikarchiv auf eine Perle gestoßen. Tori Amos heisst sie, gehört als Vorreiterin zur Welle der Singer/Songwriter Amerikas der 90er und wählt vor allem das Klavier als ihr Instrument, was bei all den sonst aktuellen Gitarrenklängen durchaus mal für Abwechslung sorgt. Zwischen High Heels und sozialem Engagement (u.A. die Mitgründung von RAINN, amerikas "Rape, Abuse and Incest National Network) erscheint sie als starke Frau und Ekzentrikerin. Beides keine schlechten Klischees für eine Musikern, fernab des Mainstream.

Dann kommt die Musik, kommt gleich auffallend ungewöhnlich daher, legt sich auf keinen Stil wirklich fest, spielt mit Instrumenten und kehrt immer wieder zum Klavier zurück. Ihre Stimme legt sich klar und präsent darüber, harmonisiert, dringt zum Hörer durch und erinnert an Gesangskünstlerinnen alla Laureena McKennit oder Enya, nur ohne Fantasykitsch. Wer versucht ist mitzusummen jedoch, stößt schnell auf die Qualität der Texte, nur oberflächlich verspielt, welche doch schon beim zweiten Hinhören
unbequem werden und sich um so viel mehr drehen als Verliebtsein, Sex und Schmerz. Es sind aktuelle Themen von Religion bis Unmenschlichkeiten, Beobachtungen der Welt die in Versform eine lyrische Qualität erlangen, welche es nicht oft geben mag im Popgeschäft und die ich seit Zeiten eines "Hotel California" vermisst habe. Sie spielt mit Zeilen ihrer Vorbilder, bedient sich bei Nine Inch Nails bis Leonard Cohen. Eine Zielgruppe ist kaum erkennbar. Es scheint, als sei diese Musik für sie allein geschrieben, so als singe sie nichts weiter als ihre Gedanken am Klavier, kleinen Erdbeben, denen wir als Hörer lauschen dürfen. Vielleicht ist das so. Fast möchte ich neidisch werden, es bereuen Text und Literatur und nicht Musik als mein Fach gewählt zu haben. Draussen finde ich Ivanhoe von Walther Scott im Buchhandel für einen Euro verramscht und Tori singt dazu aus meinem Mp3-Player:

So you found a girl who thinks really deep thoughts
What's so amazing about really deep thoughts
Boy you best pray that I bleed real soon
How's that thought for you
My scream got lost in a paper cup
You think there's a heaven where screams have gone
I got 25 bucks and a cracker
Do you think it's enough
To get us there


Amen.

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